Auf dieser Seite möchte ich Fragen die mir gestellt werden und meine Antworten dazu einem größeren Publikum zugänglich machen. Da diese Seite mit der Zeit wahrscheinlich ziemlich umfangreich werden wird, werde ich irgendwann alte Themen löschen und durch neue ersetzten.
Frage von JdB, Be
seit der Publikation von Augustin und Hentzschel in
"Gymnocalycium" habe Ich folgendes vermisst:
1. Wo und wann ist definiert worden in wie fern dass DNA sich
gleichen oder nicht gleichen muss? (Vergleichbar mit die feststellung des DNA
einer Familie, zum beispiel Vater/Sohn oder bei gerichtliche feststellung beim
Vaterschaft-Test)
2. Haben deutlich "sichtbare Unterschiede (und Merkmale)" noch
einige Bedeutung??
3. Sind vergleichbare Untersuchungen durchgeführt bei die
Liliengewächse wie Aloe, Haworthia und Gasteria??
Oder ist es nur begrenzt auf Sulcorebutia und Weingartia?
Antwort:
zu 1. Hentzschel und Augustin erwähnen in ihrem Artikel die DNA-Untersuchungen von
Ritz et al. an der Uni Jena. In dieser Veröffentlichung ist auch ein Stammbaum
enthalten, der Rückschlüsse auf gewisse Verwandtschaften zulässt. Dabei muss
betont werden, dass es sich dort nicht um den Typ der DNA-Analysen handelt, die
bei Vaterschaftstests verwendet werden (AFLP, sog. Fingerprints), sondern um
Sequenzierungen der Chloroplasten-DNA, die weltweit zur Untersuchung von
Verwandtschaftsverhältnissen bei Pflanzen verwendet wird. Dabei werden nicht nur
Pflanzen einer einzigen Gattung analysiert, sondern mehrere Gattungen und
bewusst auch solche, die mit der eigentlich untersuchten Gattung wahrscheinlich
gar nichts zu tun haben (sog Outgroup). Die Ergebnisse dieser
DNA-Sequenzierungen werden nach bestimmten statistischen Rechenmethoden
analysiert und ergeben am Ende einen Stammbaum, der ähnlich einem normalen Baum,
einen Stamm und verschieden starke Äste hat. Schaut man sich nun diese Äste
genau an, kann man Verwandtschaftsverhältnisse ablesen. Diese Rechenprogramme
sind sogar in der Lage, Gewichtungen der Wahrscheinlichkeit der unterschiedliche
Äste zu ermitteln, sodass man ablesen kann, wie wahrscheinlich eine solche
Verwandtschaft ist. Natürlich ist diese Methode nicht absolut fehlerfrei, denn
sowohl auf der experimentellen Seite als auch bei der Auswertung der Sequenzen
können Fehler auftreten, aber durch die Erfahrung der Wissenschaftler lassen
sich diese Fehler minimieren.
Um nun auf das spezifische Problem zu
kommen. Bei diesen Analysen hat sich gezeigt, dass Rebutia und
Aylostera/Mediolobiva überhaupt nicht näher verwandt sind. Sie finden sich auf
völlig unterschiedlichen Ästen, weit voneinander entfernt. Innerhalb des
Aylostera/Mediolobivia-Astes sind diese beiden Gattungen praktisch nicht zu
unterscheiden. Sulcorebutia und Weingartia befinden sich auf den gleichen
Hauptast wie Rebutia, aber danach ebenfalls klar getrennt. Die Wissenschafter
sprechen von "Schwestergattungen". Wenn man dann weiter zu den "dünneren" Ästen
vordringt, findet man, dass die einzelnen Arten von Sulcorebutia und Weingartia
nicht mehr zu unterscheiden sind d.h. die Enden der Äste stellen z.B. einige
Sulcorebutien dar, dann kommt eine Anzahl Weingartien und plötzlich wieder
Sulcos. Man könnte sagen, die Weingartien unterscheiden sich von den Sulcos
nicht stärker, als unterschiedliche Sulco- oder Weingartiaarten. Von daher
gesehen, ist die Zusammenlegung berechtigt. Die Wissenschaftler in Jena sehen
noch nicht einmal die Möglichkeit, die neue Gattung Weingartia in Untergattungen
zu unterteilen. Diese Ansicht teile ich allerdings nicht (auch Johan de Vries
nicht). Wir sind der Meinung, dass wir zu der Einteilung von Fred. H. Brandt aus
den 70rt und 80er Jahre zurückkehren sollten und die neue Gattung Weingartia in
3 Untergattungen unterteilen sollten. Das ist Untergattung Weingartia für die
echten (südlichen Weingartien (neumanniana fidaiana, cintiensis etc.),
Untergattung Cumingia für die nördlichen Weingartien (neocummingi, westii etc.)
und die Untergattung "Sulcorebutia" für die früheren Sulcorebutien. Eine
Aktualisierung des Systems, wie ich es mit Johan de Vries mit den 3 (der 4. ist
im Druck) Revisionsartikeln in Cactus&Co. entwickelt habe, ist in Arbeit und
wird vermutlich im kommenden Frühjahr veröffentlicht.
zu 2. Genau das ist der Punkt. Die DNA-Analysen
geben keine Handhabe für Unterteilungen der Gattung Weingartia, aber es gibt
schöne morphologische Merkmale mit denen man das tun kann. Auch auf Artebene
müssen wir auf Arealgeographie und Morphologie zurückgreifen, denn auch hier
helfen uns DNA-Analysen (auch die Fingerprints) nicht wirklich
weiter. Um es deutlich zu sagen: die meisten Ergebnisse sind widersprüchlich und absolut nicht nachvollziehbar.
zu 3. Es gibt hier schon eine Menge Untersuchungen für andere
Gattungen, aber da bin ich nicht sehr gut informiert. Allerdings wurden die ganz
analog zu unseren Untersuchungen durchgeführt
Frage von H. P.
Habe da mal eine Frage: wie ist das im Moment geregelt mit den Gattungen.Gibt es
noch Rebutia,Digitorebutia,Sulocrebutia und Aylostera ? Oder hat man da auch
alles zusammen geworfen ? Über eine Antwort würde ich mich freuen.
Antwort
Ihre Frage ist nicht so einfach zu beantworten, denn man muss dazu auf mehr als
10 Jahre Kakteen-Geschichte zurückgreifen. Ursprünglich waren die von Ihnen
genannten Gattungen ja schön getrennt bzw. Aylostera und Mediolobivia wurden als
Untergattungen von Rebutia angesehen. Dann kamen Hunt & Co. und seine
Consensus-Gruppe die alles zu Rebutia machten und im Prinzip eigentlich fast
alle südamerikanischen Kugelkakteen als Echinopsen ansahen - eine Sehweise, die
mit absoluter Sicherheit von keinem Liebhaber anerkannt worden ist. Vor einigen
Jahren habe ich mit einem holländischen Kakteenfreund zusammen angefangen
Isoenzymanalysen machen zu lassen (das ist eine etwas indirekte DNA-Analyse).
Dabei ergaben sich erste Hinweise, dass Rebutia und Sulcorebutia wahrscheinlich
doch weniger verwandt sind als Hunt & Co. annahmen. Aus dieser
Isoenzym-Gruppe hat sich inzwischen ein Verein entwickelt, der sich dem Studium
südamerikanischer Kakteen (Studienkreis Südamerikanische Kakteen - SSK e.V. -
siehe meine Homepage/Aktuelles und Links) verschrieben hat. Wir haben mit
ziemlich großem, teilweise persönlichem finanziellem Aufwand an der Uni Jena
DNA-Analysen machen lassen, die klar gezeigt haben, dass Aylostera und
Mediolobivia eigentlich mit Rebutia überhaupt nichts zu tun haben. Beide
zusammen bilden eine vollkommen eigenständige, von Rebutia deutlich getrennte
Gattung. Auch Sulcorebutia/Weingartia sind von Rebutia getrennt und kann
bestenfalls als Schwestergattung von Rebutia angesehen werden. Aus diesen
Analysen geht auch hervor, dass Sulcorebutia und Weingartia so nah verwandt
sind, dass sie sich kaum trennen lassen, weshalb Augustin und Hentzschel
kürzlich beide Gattungen vereinigt haben. Die meisten meiner Freunde halten das
zwar für etwas überzogen, denn wir sind der Ansicht, dass man Sulcorebutia und
Weingartia auf der Ebene der Untergattung sehr wohl getrennt halten sollte.
Obwohl die DNA-Analysen dafür keinen Anhaltspunkt bieten, meinen wir, dass
morphologische Merkmale genügend Unterschiede bieten. Taxonomisch stehen nun
aber alle Sulcorebutien unter Weingartia. Man muss gespannt sein, ob und wie
Hunt & Co auf diese Entwicklung reagieren werden.
Frage von M.H.
ich habe schon viel umhergeblättert und gesucht,nun doch die Frage an Sie. Was
ist eigentlich mit Typaufsammlung und Originalmaterial richtig gemeint. Ist
beides das Gleiche? Sind es Pflanzen, die aus Samen vom Typusstandort stammen ?
Antwort:
Beide Begriff bezeichnen etwas völlig Unterschiedliches. "Typaufsammlung" ist
die Aufsammlung aus der der Holotyp (und eventuelle Isotypen) eines Taxons
stammen. Entsprechend bezeichnet "Typstandort" den Stand- oder Fundort von dem
die Typaufsammlung kommt.
Als Originalmaterial bezeichnen wir die am
Standort gesammelte Pflanzen und deren vegetative Vermehrung. Auch aus Wildsamen gezogene Pflanzen verdienen diese
Bezeichnung. Bei mir und bei vielen anderen Kakteenfreunden erkennen Sie das
daran, dass nach der Feldnummer eine durch "/" oder "-" verbundene Klonnummer
steht. Leider wurde das in der Vergangenheit selten so gehandhabt und man
erkennt deswegen nicht sofort, ob man diesen Klon evtl. schon in der Sammlung
stehen hat. Was aber noch viel schlimmer ist: wenn jemand Pflanzen, die aus
Kultursamen vermehrt worden sind, unter
einer Feldnummer weitergibt und er "unterschlägt" den Zusatz "F1" bzw
"F2.....X". Derjenige täuscht dadurch den Empfänger, indem er vorgibt, es handle
sich um Originalmaterial. Im ersten Fall handelt es sich um Sämlinge aus
Kultursamen von Originalmaterial, im 2.
Fall sind es Pflanzen der 2., 3. oder x. Generation
Frage von C.N., Niederlande
Regelmäßig wird bei den Beschreibungen von Blumenfarben bei Kakteen der
Farben-Atlas von E. Biesalski (1957) gebraucht. Während der Suche auf
dem Internet entdeckte ich bei www.beuth.de eine Veröffentlichung aus 1966 von diesem Atlas. Er kostet € 80,-. Kennen Sie
diese Auflage? Was ist der wesentliche Unterschied? Sind die Farbenkarten und
Nummern dieselben?
Antwort: Meine Anfrage beim Hersteller ergab, dass die Ausgaben von 1957, die ich verwende und die Ausgabe 1966 identisch sind.
Frage von K.N. Ich beziehe die tschechische Kakteenzeitschrift Kaktusy und
habe in diesem Jahr festgestellt, dass dort viel über Sulcorebutia
veröffentlicht wird. Was ist von diesen Beschreibungen grundsätzlich zu halten
und welche Meinung vertreten Sie zu der kürzlich beschriebenen Sulcorebutia
horacekii Slaba?
Antwort: Grundsätzlich kann man niemandem verbieten Pflanzen zu
beschreiben. Die Frage ist natürlich, wie viel Sachverstand hinter diesen
Beschreibungen steckt. In dieser Hinsicht habe ich manchmal meine Zweifel.
Grundsätzlich sollte man, was Beschreibungen in tschechischen Journalen angeht,
klar unterscheiden. Das, was ein gewisser Herr Halda und seine Freunde machen,
ist in meinen Augen ein Ärgernis, denn diese Herren scheinen alles, was ihnen in
die Finger kommt, mit dubiosen Namen belegen zu wollen (notfalls auch zu Ehren
des Hundes eines der Herren), ohne dass sie danach fragen, ob es Sinn macht
oder nicht. Im Gegensatz dazu sind die Veröffentlichungen in Kaktusy zumindest
gut ausgearbeitet. Ob sie auch immer systematisch und/oder taxonomisch sinnvoll
sind, steht auf einem anderen Blatt. Auf der Seite „Aktuelles und Links“ finden
Sie meinen Kommentar zu dem Artikel über S. frankiana von R. Slaba. Da Sie aber
nun speziell nach der neuen S. horacekii fragen, kann ich nur sagen, ich halte
diese Beschreibung für absolut überflüssig, denn man sieht auf den ersten
Blick, dass es sich um eine Zweitbeschreibung von Rauschs Sulcorebutia
unguispina handelt. Slaba selbst hat vor einigen Monaten einen ganz vernünftigen
Aufsatz zu diesem Thema in Kaktusy veröffentlicht und dazu auch Bilder
gebracht. Nun zeigt er nahezu dieselben Pflanzen und beschreibt sie als eigene
Art. Mit etwas Aufmerksamkeit hätte er auch feststellen müssen, dass der
Typstandort von Rauschs S. unguispina praktisch identisch ist mit seinem
Standort der „neuen Art“. Weiterhin gibt es zwischen Aiquile und Santiago
mehrere Stellen, wo solche Sulcos vorkommen (z.B. G66, G69, JD181, EH7113). Auch innerhalb vieler
Populationen von S. santiaginiensis findet man immer mal wieder solche Formen.
Fritz hat in KuaS 7/1999, S. 163–165 über diesen Pflanzentyp berichtet. Solche Pflanzen sind seit über 20 Jahren bekannt. Donald hatte damals den Gedanken, sie als S. purpurea var. minor zu beschreiben, nahm aber davon Abstand, nachdem erkannt hatte, dass es einfach nur Ökotypen von S. santiaginiensis sind. Ich betrachte S. horacekii als Standortform von S. santiaginiensis oder wie es vielleicht besser in das System von Herrn Slaba passt, um Formen von S. purpurea ssp. santiaginiensis. In
diesem Kontext würde S. horacekii dann als Synonym zu S. purpurea var.
unguispina (Rausch) Augustin & Gertel zu stellen sein.
Frage von R.S. HS 151: Stimmt das, dass sie gültig als S. heinzii beschrieben wurde? Und
wenn ja, von wem, wann und wo veröffentlicht?
Antwort: Diese Frage wird mir in letzter Zeit so oft gestellt, dass ich an dieser Stelle beantworten möchte. Ja, S. heinzii ist gültig (nehme ich zumindest an) beschrieben worden. Einzelheiten dazu finden Sie auf der Seite "Gliederung" unter Punkt 4.2.1 Dort sehen Sie auch, dass Johan de Vries und ich dieses Taxon als überflüssig erachten und es als Synonym von S. tiraquensis var. totorensis ansehen (je nachdem hätte man es auch als Synonym von S. tiraquensis v. augustinii ansehen können). Den Grund dafür haben wir ausführlich im 3. Teil unserer Revision der Gattung Sulcorebutia in Cactus & Co. 11 (3): 133-159, 2007 beschrieben. Es gibt in diesem Heft auch eine Bilderreihe mit der gezeigt wird, dass es eine sehr schöne Entwicklungsreihe von S. tiraquensis v. totorensis bis hin zu S. tiraquensis v. ausgustinii gibt. Das läßt sich natürlich mit nur 6 Bildern schwer darstellen, denn innerhalb dieser Reihe gibt es eine geradezu unendliche Anzahl von Formen und Übergängen. Das was allgemein unter HS151 bekannt ist, stellt eine kleine Population innerhalb dieser Reihe dar. Die Pflanzen von dem Standort sind zwar relativ einheitlich, es gibt sie aber auch an einer Vielzahl anderer Standorte, wo sie zusammen mit allen möglichen anderen Formen von S. tiraquensis v. totorensis vorkommen. Aus diesem Grund macht es keinen Sinn hierfür eine eigene Art zu beschreiben. Man könnte diese Sulcorebutien im Rahmen unserer Gliederung im besten Falle als Subvarietät oder besser noch als Forma akzeptieren.
Frage von R.S. Ich habe schon öfter gehört, dass sich Sprossen von gepfropften Sulcos
generell schlecht bewurzeln lassen. Stimmt das? Und wenn ja, woran
liegt das?
Antwort: es stimmt nicht, dass sich Sprosse von gepfropften Sulcos schlechter bewurzeln
als solche von wurzelechten Pflanzen. Würde das stimmen, wäre meine Sammlung nur
halb so groß. Allerdings ist es eine Tatsache, dass es nicht mehr gelingt, manche
alten Klone zu bewurzeln, die über Jahre hinweg immer wieder durch Pfropfung
vermehrt worden sind. Das gilt für so manchen Ritter- und auch Lauklon und die
Probleme treten inzwischen auch bei einigen Rauschklonen auf. Woran das liegt,
weiß wohl niemand genau. Vielleicht Degeneration oder irgendeine Infektion.
Letzteres ist ganz sicher bei manchen Ritterpflanzen der Grund.
Neue Frage von M.H: noch eine kurze Fage zu Vitanal. Wie sieht es bei Sämlingen und Anzuchten
aus. Hier nur die halbe Aufwandmenge ?
Antwort: Nein, auch für Sämlinge volles
Rohr! Bei den ganz kleinen Sämlingen Sprühen mit Vitanal sauer/kombi.
Ich habe das Gefühl meine Frage und Antwort-Seite entwickelt sich zu einer FAQ-Seite für Vitanal. Ich bin gespannt, wann ich das erste Gratis-Vitanal als Gage bekomme!?
Frage von M.H. ich habe auf Ihrer Seite über die erste "negative Eigenschaft" von Vitanal
gelesen. Herr Rech selbst bezeichnet Vitanal ja als rein Pflanzlichen
Dünger, auch wenn eine Überdüngung nicht eintreten kann. Sie schreiben
ja auch, dass eine enorme Wurzelbildung eingesetz hat. Ist nicht zu
befürchten das die Pflanzen ihr eigentliches Aussehen verlieren? Ein
gesteigertes Wurzelsystem könnte ja auch eine gesteigerte Nährstoffaufnahme
vermuten lassen. Von einem Wachstumsjahr lassen sich hier sicher noch keine
Aussagen treffen.
Antwort: ich denke, die Aussage, Vitanal sei ein
Dünger, ist grundsätzlich falsch, denn Vitanal enthält so gut wie keine
Düngestoffe. Es ist ein Pflanzenstärkungsmittel, das m.E. die
Wachstumsbedingungen für die Pflanzen verbessert. Ich weiß nicht inwieweit
Enzyme und dergleichen tatsächlich etwas bewirken. Ganz sicher aber ist die
Absenkung des pH-Wertes durch die in Vitanal enthaltene Milchsäure (deswegen
stinkt das Zeug so) ein wichtiger Faktor. Durch diese pH-Verschiebung werden
natürlich im Substrat gebundene Mineralstoffe pflanzenverfügbar und das ist der
Punkt. Bei einem stark überdüngten, alten Substrat kann das natürlich dazu
führen, dass die Pflanzen plötzlich Dünger ohne Ende haben. Normalerweise sollte
das aber kein Problem sein. Ich dünge, wie gehabt, 1 mal im Jahr und ich habe
nicht den Eindruck, dass Vitanal dann zu Riesenwachstum führt. Was mir aber wohl
in diesem Jahr aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass z.B. die Gruppe um S.
mentosa (swobodae, albissima etc.) viel bunter aussieht als früher. Es ist
wirklich eine Pracht, das anzusehen und ich bin sicher, das ist die Folge von
Vitanal.
Frage von B.R.
Sie haben mit Erfolg Vitanal angewendet,daraufhin probiere ich das auch aus.Nun
stellt sich mir aber eine Frage. Ich habe mir das Kakteen-Vitanal bestellt und
festgestellt das der Stickstoffanteil um ein Vielfaches höher als der
Phophatgehalt liegt.Ich habe "gelernt" dass man Kakteen nicht so mit Stickstoff
"vollpumpen" soll, da sie ihre natürliche Wuchsform verlieren. Jetzt bin ich
skeptisch geworden. Oder spielt das bei einem biologischen Dünger nicht so eine
Rolle??
Antwort: vielen Dank für Ihre Anfrage.
Ich kenne zwar nicht die genaue Zusammensetzung von Vitanal für Kakteen, aber
ich denke die diversen Vitanale sind sich untereinander ziemlich ähnlich und man
liest ja auch der Vitanal - Homepage, dass mit dem Kakteen-Vitanal eine
Überdüngung unmöglich ist. Ich schließe daraus, dass zwar das Verhältnis der
Bestandteile normalerweise für Kakteen nicht gerade ideal ist, aber absolut
gesehen, der Stickstoffgehalt denkbar gering ist. Von daher gesehen hätte ich
keine Bedenken, dieses Mittel zu verwenden. Wenn Sie wieder mal etwas bestellen,
können Sie ja immer noch auf Vitanal 1 Wachstumsstarter oder Vitanal sauer/kombi
umsteigen. Letzteres ist allerdings - auch wegen des relativ hohen Preises -
eher zum Sprühen geeignet.
Frage von M.B.
Der
erste Punkt betrifft die Verwendung von Bandwurmnamen. Natürlich habe ich
zunächst geschluckt, als ich in Ihrem Kompendium letzter Auflage zum erstenmal
z. B. von „Sulcorebutia steinbachii ssp. steinbachii v. steinbachii fa.“ gelesen
habe. Jedoch habe ich mich etwa zeitgleich ein wenig in den Internationalen Code
der Botanischen Nomenklatur eingelesen und seitdem geglaubt, in dem Beispiel zu
Kapitel III, Abschnitt 5, Artikel 24.1 („Ex.
1. Saxifraga aizoon
subf. surculosa Engl. & Irmsch. This can also be cited as Saxifraga aizoon var.
aizoon
subvar. brevifolia f. multicaulis
subf. surculosa Engl. & Irmsch.; in this way a full classification of the subforma within the species is given.“) einen
Beleg für die Richtigkeit Ihrer Angabe gefunden zu haben. Sie schreiben auf
Ihrer Homepage jedoch, dass lt. Auskunft von Herrn Dr. Urs Eggli Bandwurmnamen
nach dem ICBN illegitim seien. Hierfür habe ich im ICBN noch keinen Beleg
gefunden. Können Sie mir hinsichtlich der Fundstelle
weiterhelfen? Antwort von Herrn Dr. Urs Eggli, Sukkulentensammlung Zürich
Vielen Dank für Ihre Anfrage. Die "Bandwurmnamen" sind nicht per
se illegitim oder ungültig - es ist lediglich so, dass für die Zwecke
der Nomenklatur (also Priorität, Homonymie etc.) ausschliesslich
Trinomen verwendet werden. Dadurch wird z.B. verhindert, dass es eine
Neukombination braucht, wenn eine Varietät in der Klassifikation von einer
Unterart der Art zu einer anderen Unterart derselben Art "verschoben" wird.
Selbstverständlich kann und darf für die Zwecke der
Klassifikation der "Bandwurmname", d.h. mit allen dazwischenliegenden
Rangstufen, verwendet werden.
Frage von JdB, Belgien Wo finde Ich die Erstbeschreibung von Sulco. tarbucoensis ssp. patricia?
Danke
Antwort: S.tarabucoensis ssp. patriciae B. Bates, J.J.
Halda, P. Hertus et L. Horacek wurde beschrieben in Acta musei Richnovensis
(Sect. natur.) 10 (2): 156-157 (2003) zusammen mit einer ganzen Serie weiterer
Erstbeschreibungen diverser, großteils sehr dubioser Sulcorebutien. Ich halte
das Taxon "patriciae" für durchaus berechtigt. Ich meine allerdings, dass es bei
S. tarabucoensis falsch platziert ist. Ich habe mir diese Gegend vor 2 Jahren
sehr gut angesehen und gefunden, dass es nur wenige Kilometer von S. patriciae
entfernt mehrere Vorkommen von Sulcos gibt, die ich als S. gemmae einstufe. Auch
alle möglichen Übergänge zwischen den beiden gibt es. Vorbehaltlich weiterer
Studien, würde ich S. patriciae als Varietät von S. gemmae ansehen.
Frage von M.H. bei ebay hat jemand eine sulco. inflexiseta
angeboten. ich konnte bis jetzt auch im kompendium dazu nichts finden. auch der
besitzer hat keine weiteren angaben dazu. er hat sie vor jahren unter diesem
namen erworben. vielleicht erleichtern sie meine suche etwas und haben etwas
darüber. die pflanze sieht sehr interressant aus.
Antwort: ich weiß nicht, ob ich hier
helfen kann. Wenn Sie sich den Absatz über S.inflexiseta in unserem Buch
durchlesen, werden Sie feststellen, dass es sich um ein ziemlich dubioses Taxon
handelt, auf gut Deutsch, niemand weiß genau was das ist.
Ich habe verschiedene
Inflexisetas, die auch sehr unterschiedlich aussehen. Einigermaßen authentisch
ist wahrscheinlich nur Material Herkunft Prof. Diers. Allerdings weiß auch der
keine Einzelheiten zu den Pflanzen, außer dass er mal von Cardenas ein paar
Pflanzen mit dem Namen Inflexiseta bekommen hat.
Frage von L.B.
Ausserdem könnten Sie mir helfen u. mitteilen, welche Art der Sulcorebutien
mehr Frost vertragen als andere, ich weiß dass für harte Kultur die Pflanzen
trocken stehen müssen, aber vielleicht gibt es einige Sorten die mehr Frost
vertragen.
Antwort: Mit der Frostverträglichkeit
von Sulcos ist das so eine Sache. In der ersten Winterhälfte ist es
tatsächlich die Frage, ob es gelungen ist, die Pflanzen so früh trocken zu
stellen, dass sie schon deutlich geschrumpft sind. In der zweiten Hälfte sind
sie allgemein soweit geschrumpft, dass sie z.T. bis zu -10°C aushalten, aber das
ist immer ein Pokerspiel. Bekommen sie mal zu früh Wasser, sind sie u.U.
innerhalb von Tagen voll im Trieb und dann reichen -2°C und die Pflanze ist
kaputt. Natürlich ist das von Art zu Art etwas unterschiedlich. Sie können sich
da direkt an der Höhenlage der Vorkommen orientieren. Grob gesagt ist natürlich
eine S.steinbachii härter als eine S.mentosa oder eine S.tarabucoensis ist
härter als S.crispata, aber wie gesagt, wesentlicher ist ganz klar der Grad der
Schrumpfung. Ich denke, Genaueres kann man zu diesem Thema kaum sagen und ich
würde sagen, unter unseren klimatischen Bedingungen ist es kaum möglich Sulcos
komplett ohne Heizung zu kultivieren. Das geht vielleicht ein paar Jahre gut,
aber plötzlich kommt der Frost zu früh, wenn die Pflanze noch nicht ganz zur
Ruhe gefunden hat oder der Frost kommt zurück, nachdem man den Winter schon
verabschiedet hat und dann sind die Pflanzen hin.
Frage von J.M. Könnten Sie mir bitte mitteilen, wie oft und wie man Vitanal am besten
anwendet,(spritzen und-, oder gießen), bzw. verwenden Sie Vitanal Kakteen oder
das bei Uhlig angebotene Konzentrat? Vielen Dank! J.M.
Antwort: Nachdem ich durch die Information eines Bekannten auf Vitanal aufmerksam wurde, habe ich mich entschlossen einen Versuch zu wagen. Da ich ein Vertreter der Stilrichtung "entweder richtig oder überhaupt nicht" bin, habe ich mich zuerst einmal bei Dr. Rech, der das Vitanal herstellt, erkundigt, weil ich nicht genau nachvollziehen konnte, welches Vitanal für mich das Richtige ist. Dann habe ich mir einen Vorrat von Vitanal 1 und Vitanal sauer/kombi schicken lassen, was reibungslos geklappt hat. Ich habe dann während des ganzen Jahres konsquent mit einem Zusatz von 30ml Vitanal 1 pro 10 Liter Wasser gegossen und zwar mit der Gardena Brause von oben, wie ich das schon immer tue. Ich benötige im Schnitt 250l Wasser, um meine Sammlung einmal durchzugiesen. Zwischendurch habe ich (sehr unregelmäßig) immer mal wieder gesprüht und diesem Wasser habe ich 10ml Vitanal sauer/kombi /5l Wasser zugesetzt. Einige Male habe ich auch noch Baldrianextrakt (10ml auf 5l) der Sprühlösung zugesetzt. Ansonsten dünge einmal im Jahr mit einer 0,1%igen Mineraldüngerlösung.
Nach dieser Vegetationsperiode sehen meine Sulcos besser aus als jemals zuvor und was die Wurzelbildung angeht, kann ich nur sagen, sensationell. Ich musste im Herbst beim Umtopfen manchmal einen Teil der Saugwurzeln wegschneiden, weil ich sonst kein Substrat mehr in die Töpfe bekommen hätte. Ich bin nun sehr gespannt, wie die kommende Blüte ausfällt.....
Im kommenden Jahr werde ich wohl nur für das erste und zweite Wässern die hohe Konzentration an Vitanal1 (0,3%ig) verwenden und für den Rest des Jahres auf eine 0,1% Lösung zurückgehen